Mühlbachäcker: Stadtentwicklung im Windschatten

von Annette Schmidt

Während in Tübingen über Kugelbahnen diskutiert wird, passiert im Windschatten dieser Debatte etwas Wichtiges: Die Entwicklung der Mühlbachäcker nimmt konkrete Formen an. Möglicherweise ist vielen Tübingerinnen und Tübingern nicht bekannt, wo die Mühlbachäcker liegen und welche Größenordnung dieses Projekt hat. Auf 25 Hektar soll zwischen Landratsamt, Kreissparkasse, Polizeihochhaus und der Derendinger Straße Schritt für Schritt ein neues, gemischt genutztes Stadtviertel für rund 2.300 Menschen entstehen.

Für uns als AL/Grüne ist entscheidend, wie dieses neue Stadtquartier entwickelt wird. Es geht nicht nur darum, möglichst viele Wohnungen zu bauen, sondern um eine Stadtentwicklung, die Klima, Ökologie und Lebensqualität zusammendenkt: mit bezahlbarem Wohnraum für Familien, gemeinwohlorientiert und gebaut von Genossenschaften oder unserer städtischen Wohnbaugesellschaft GWG. Es geht um kurze Wege, ökologische Baumaterialien, gute Rad- und Fußverbindungen und einen starken öffentlichen Nahverkehr. Die geplante Regionalstadtbahn, neue Busverbindungen und bessere Rad- und Fußwege sind wichtige Bausteine für eine umweltfreundliche Mobilität. Dazu gehört auch die neue Ann-Arbor-Fahrradbrücke über die Bahngleise und die B28, die das neue Stadtviertel an Innenstadt und Hauptbahnhof anbindet.

Auch beim Klima muss das Quartier Maßstäbe setzen. Die Büsche und Bäume entlang des Mühlbachs sollen erhalten bleiben und naturnäher gestaltet werden, die Versiegelung soll gering bleiben. Dazu kommen Fernwärme und Photovoltaik für eine klimaverträgliche Energieversorgung. Und auch das Thema Schwammstadt gehört für uns dazu: Regenwasser muss vor Ort gehalten und versickert werden, statt es schnell abzuleiten.

Das Projekt Mühlbachäcker zeigt, warum Innenentwicklung so wichtig ist. Hier können genutzte und teilweise untergenutzte Flächen weiterentwickelt werden, ohne neue Flächen im Außenbereich zu versiegeln. Genau deshalb müssen wir uns heute nicht an die ökologisch hochwertigen Ackerflächen des Saibens machen, dem Baugebiet jenseits der Bahnlinie in Derendingen, sondern können diese noch unangetastet lassen.

In einigen Jahren ziehen wir Bilanz: Wie hat sich Tübingen entwickelt? Wie groß ist der Wohnraumbedarf? Auf dieser Grundlage kann dann über eine Bebauung des Saibens entschieden werden. Bis dahin sind wir froh, dass wir mit den Mühlbachäckern und Flächen zum Beispiel in der Weststadt, gute Möglichkeiten für die Innenentwicklung haben.

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