Öl- und Gaspreise steigen auf Rekordniveau. Dank Trumps Krieg gegen die Mullahs. Ich habe vorsichtshalber für den kommenden Winter zwei Klafter Brennholz gekauft. Und was tun die im Bundeswirtschaftsministerium?
Katherina Reiche (CDU) lässt einfach die Gasspeicher leer laufen. Wenn das ihrem Vorgänger passiert wäre, da wäre was los gewesen. Man muss den Klimawandel nicht verstehen. Man mag ihn meinetwegen auch ignorieren oder bagatellisieren. Aber wenigstens aus geostrategischen Gründen sollten wir uns unabhängig von fossilen Brennstoffen machen. Das sollte allen spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor vier Jahren klar sein.
Fast alle Öl- und Gasvorräte dieser Welt sind in der Hand von Schurken. Doch unverdrossen setzt Katherina Reiche, die Fürstin der Finsternis, auf Öl- und Gasheizungen sowie auf Benzin- und Dieselmotoren. „Zurück auf Vorwärts“. Jetzt soll auch noch durch einen Tankrabatt der Preis gesenkt und damit der Verbrauch des raren Guts angekurbelt werden.
Gut, dass wir in Tübingen einen anderen Weg gehen. Den nach vorne. Unsere Stadtwerke haben demnächst 90 Prozent erneuerbare Energien im Strommix. Tendenz steigend. Der Ausbau der Fernwärme schreitet voran. Zum Heizen nutzen wir Abwärme von Industriebetrieben und Kläranlagen sowie Solarthermie. Im Tübus steigen die Fahrgastzahlen dank eines attraktiven Angebots und eines bezuschussten Deutschlandtickets.
Dank beheizter(!) Radbrücken fahren immer mehr Leute auch im Winter mit dem Fahrrad. Kurzum, wir beschreiten den Weg der Dekarbonisierung unbeirrt und unideologisch – und behalten dabei stets auch die Wirtschaftlichkeit im Blick. Deshalb mussten wir das Angebot des Tübus in Randzeiten und Randzonen einschränken, um das Defizit zu begrenzen. Deshalb werden wir ein kleines Gasheizwerk bauen, um Engpässe in der Wärmeversorgung zu vermeiden. Keiner soll in der kalten Bude hocken. Und natürlich werden wir Windräder im Rammert bauen, wenn diese wirtschaftlich sind. Sofern uns die Gaslobbyistin im Wirtschaftsministerium keine Knüppel zwischen die Beine wirft. Was ihr zuzutrauen ist.


Verwandte Artikel
Mehr als ein Zahlenwerk
Unter schweren finanziellen Voraussetzungen haben wir im Gemeinderat die letzten Wochen unseren Haushalt beraten, am vergangenen Donnerstag wurde er beschlossen. Die Haushaltslage macht Kürzungen unumgänglich – 22 Mio. Euro werden…
Weiterlesen »
Stellplatzregeln lockern
Ende September hat der Gemeinderat eine neue Stellplatzsatzung für Tübingen beschlossen. Das klingt vielleicht erstmal unspektakulär, zeigt aber, wie Klimagerechtigkeit in der Praxis aussehen kann. Die Landesbauordnung schreibt vor, dass…
Weiterlesen »
Europaplatz in Tübingen
von Annette Schmidt Die große Mehrheit des Gemeinderats hat beschlossen: die Fläche am zentralen Verkehrsknotenpunkt soll bebaut werden mit einem klaren ökologischen Anspruch. Die Lage direkt am Haupt- und Busbahnhof…
Weiterlesen »