Erinnerungskultur

„Ein neuer Weg der Vermittlung“ von Susanne Bächer

Neulich führte die Stadtverwaltung einen Workshop zum Thema „Erinnerungskultur“ durch. Neben den Vereinen und Gruppen, die sich mit dem Nationalsozialismus in Tübingen beschäftigen, waren auch Experten und Gemeinderatsmitglieder eingeladen. Wir waren beeindruckt, wie viele Gruppen sich dem Thema widmen und damit auch Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

Oft wurde in dem Zusammenhang in den letzten Jahren der Güterbahnhof genannt. Der Beobachtungsstand in der Güterhalle verweist auf den Luftkrieg und die Schutzmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg. Man wird ihn als Zeugnis erhalten. Der Verein „Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus“ hatte zunächst weitere Absichten in diesem Gebäude, scheint darauf aber nicht mehr zu bestehen. Mittlerweile hat sich nämlich eine Tür zu Räumen geöffnet, die möglicherweise alle Vereine gemeinsam nutzen können, die am Thema NS-Zeit in Tübingen befasst sind. Wir AL/Grüne würden das sehr begrüßen. Diese Gruppen arbeiten ohnehin schon häufig zusammen.

Diesen lokalen Initiativen verdanken wir viele Erkenntnisse darüber, was sich in unserer Stadt in der NS-Zeit zugetragen hat. Bedeutend für den Nationalsozialismus war aber auch die Tübinger Universität. Unter ihrem Dach wurden „Wissenschaften“ betrieben, die den Rassenwahn der Nationalsozialisten untermauert haben. Nicht unwesentlich die Zahl der Tübinger Studenten, die später im NS-System Führungsrollen übernommen haben. Nachdem die Universität jetzt selbstkritisch untersuchen lässt, ob Eberhard und Karl zu Recht in ihrem Namen stehen, täte auch eine gründliche Erforschung ihrer Rolle im Nationalsozialismus gut.

Wer heute an die NS-Geschichte erinnert, will damit auch mahnen und der Jugend sagen, dass solche Gräueltaten nie mehr geschehen dürfen. Dieser Appell, so dringend er auch sein mag, stößt nicht immer auf Interesse. Ausstellungen, zumal solche, die aus vielen Texten bestehen, sprechen Jugendliche nicht unbedingt an. Und Betroffenheit kann man nicht einfordern. Unser Stadtmuseum geht einen neuen Weg der Vermittlung. Ab 15. Dezember kann man dort den Raum „Dunkles Geheimnis“ besuchen. Man wird dort auf besondere Art herausgefordert! 

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