„Was hat Natur in der Stadt zu suchen?“

Das war der Titel einer öffentlichen Veranstaltung am Samstag 8.Juli, die eine Gruppe Tübinger Grüner (vom Kreisverband der GRÜNEN Tübingen, vom Stadtverband der GRÜNEN Tübingen, von der AL Tübingen und von der AL-Grünen Gemeinderatsfraktion Tübingen) organisiert hat. Mitveranstalter war die Architektenkammer Kammergruppe Tübingen.

Wir Grüne wollen uns dem Thema Natur in der Stadt stärker zuwenden und haben uns bewusst einen Nachmittag Zeit genommen und drei Referierende eingeladen, die das Thema von verschiedenen Seiten her beleuchtet haben. 

Chris Kühn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt und MdB,   wies zunächst auf den Klimawandel hin und auf die globale Erwärmung, der jedes Jahr mehr Menschen zum Opfer fallen. Städte sind von den Auswirkungen besonders betroffen, aber die Urbanisierung nimmt weltweit zu. Da wir die Erwärmung leider nicht zurückdrehen können, geht es jetzt um Klimaanpassung. Chris Kühn gab uns einen Überblick über die diesbezüglichen Förderprogramme des Bundesumweltministeriums. 

Lilith Stelzner, die Naturschutzreferentin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg, sprach darüber, wie wir die Natur in den Städten schützen können. Die Maßnahmen dazu hat sie in vier Kapitel gegliedert. Sie plädiert für einen verbesserten Biotopverbund. Biotopverbund bedeutet, dass die Biotope, also Lebensräume von Tieren und Pflanzen, miteinander verknüpft werden, wozu die Kommunen in Baden-Württemberg verpflichtet sind. –  Um die im Schwund befindlichen Insektenarten in der Stadt zu schützen, haben Naturschützer die Friedhöfe ins Visier genommen, dort stecken große Potenziale. Vier ausgewählte Friedhöfe wurden entsprechend mit heimischen Stauden und Blumen bepflanzt und sind nun Pilotprojekte, die über Jahre hinweg beobachtet werden. Außerdem wies Lilith Stelzner auf die Bedeutung von Stadtbäumen hin und forderte dazu auf, in öffentlichen und privaten Gärten auch etwas Unordnung zuzulassen.

In der Pause standen die Tübinger Naturschutzverbände an ihren Ständen bereit, um mit den Interessierten ins Gespräch zu kommen. Dabei waren das Bürgerprojekt Zukunft, Architects for Future, die Initiative Bunte Wiese, die AG Fledermausschutz und das Umweltzentrum. 

Dr. Simone Linke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen an der TU München forscht über klimaresiliente Stadtquartiere. Sie zeigte in ihrem Vortrag weitere Statistiken und Prognosen zum Klimawandel weltweit und in Deutschland speziell. Sie sprach dann über die Bedeutung der Innenentwicklung. Innenentwicklung meint zunächst, dass die Städte und Siedlungen baulich innen verdichtet werden und nicht nach außen wachsen sollen. Der Flächenverbrauch soll verhindert oder zumindest verringert werden. Weil in der Stadtplanung anerkannt ist, dass Natur in den Städten eine große Bedeutung hat, bemüht man sich heute im Sinne von „Doppelter Innenentwicklung“ darum, mit der baulichen Verdichtung auch die Stadtnatur aufzuwerten, durch Gründächer und Baumpflanzungen etc. Simone Linke verwies aber auch darauf, dass in unsren Städten sehr viel Fläche durch den Verkehr eingenommen wird, vor allem durch den Motorisierten Individualverkehr (MIV). Schon allein Parkplätze nehmen sehr viel Fläche weg und Tiefgaragen sind teuer. Es ist also sinnvoll, die Verkehrsfläche insgesamt zu reduzieren, das nennt sie die „Dreifache Innenentwicklung“. Und weil auf den Plätzen und Straßen, wo der Verkehr zurückgedrängt oder reduziert wurde, mehr Raum für Begegnungen von Mensch zu Mensch entsteht, sprach sie insgesamt von „Vierfacher Innenentwicklung“.

Zum Schluss fand auf dem Podium eine Diskussion mit den Referierenden statt, an der sich das Publikum lebhaft beteiligte. Für uns, die wir die Veranstaltung geplant und durchgeführt  haben, war das ein sehr spannender Nachmittag. Wir haben uns gefreut, dass über 60 Menschen gekommen sind. Wir haben viel Anregungen bekommen und bedanken uns bei allen, die mitgewirkt haben! Das Thema Natur in der Stadt wird uns weiter beschäftigen!

Susanne Bächer

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